Nimm deine eigenen Bilder oder auch nicht

 

Als Bildbearbeiter benötige ich öfter mal Fotos für Composings oder auch nur weil irgendetwas im vorhandenen Foto fehlt. Das kann im Hintergrund ein Zaun sein, eine Wiese, ein paar Wolken oder sonstiges.

 

Jetzt könnte ich natürlich rausgehen und mir die Elemente einfach fotografieren. Tu ich auch oft.

Es gibt jedoch mehrere Gründe, warum ich das nicht immer mache. Es könnte kalt sein, was ich suche ist nirgends zu finden, es fehlt die Zeit, der Kunde wird den Aufwand nicht bezahlen oder jemand anderes hat das passende Bild im Internet hochgeladen.    

Fotos, die jemand anderes für weitere Verwendung zur Verfügung stellt, nennt man Stockfotos. (Stock ist englisch für Lager oder Bestand.) Diese Bilddateien finden wir bei zahlreichen Stockagenturen im Internet. Solche Seiten wie Shutterstock, Fololia und GettyImages, um nur ein paar zu nennen.

Hier finden wir Bilder aus vielen Bereichen der Fotografie. Zum Beispiel Landschaft, Architektur oder auch Gegenstände. Die Auswahl ist unendlich. Es gibt nichts, das man nicht findet. Meistens jedenfalls.

Wir können diese Bilder für so ziemlich alles benutzen. Wir können Hintergründe, Boden oder Objekte tauschen, Stockfotos als Vorlage verwenden, die Möglichkeiten sind grenzenlos.    

 


Oft macht es Sinn sich 30 Minuten hinzusetzen und nach einem bereits vorhandenen Foto zu suchen, da der Aufwand eine halbe Stunde in der Gegend herumzufahren, Das Stativ aufzubauen, die Kamera einzustellen, die passende Perspektive zu finden, alles wieder einzupacken und nach Haus zu fahren meistens viel größer ist. Dazu müssen wir auch noch wissen, wo wir das Foto aufnehmen können.

 

 

Links ein Bild nur mit kostenlosem Stockmaterial.

 

Stockfotos

Fahrzeuge: http://fav.me/d355k0k & http://fav.me/d27locc  

Hintergrund: http://fav.me/d3304bb

Lensflares: https://store.krolop-gerst.com


 

Stockagenturen bieten Fotografen die Möglichkeit ihre Bilder (und auch Videos, Grafiken, Audio, …) online in relativ großen Bildarchiven zu verkaufen.

Für Suchende ist der Vorteil leider der Nachteil dieser Fotografen: das Material ist relativ günstig. Teilweise bekommt diese Fotos bereits unter 10 Euro. 

Ein Vorteil für den Verkäufer ist, je nach Einstellung, dass mehrere Käufer dasselbe Foto kaufen können und der Fotograf somit für ein Bild öfters abkassiert. Reich wird er damit aber trotzdem nicht.  Obwohl einige sehr viele Fotos online gestellt haben und dadurch doch gut verdienen.  Da kommt jetzt auch der Nachteil für den Kunden: viele andere könnten das gleiche Bild benutzen.

Der Ersteller muss nur Fotos machen (meistens mehrere ähnliche auf einmal), nachbearbeiten, hochladen, verschlagworten, paar Einstellungen ändern und warten, bis wer kauft.

 

Kostenlose Downloads gibt es natürlich auch. Seiten wie Pexels oder Pixabay bieten Inhalte unter gewissen Vorraussetzungen (Creative Commons) gratis an. Auch in der Community von Deviantart können wir uns Bilder und so weiter unter den Bedingungen der Ersteller holen. Manchmal muss der Name des Fotografen am Bild stehen, manchmal will dieser nur wissen wo es veröffentlicht wird und manchmal gibt es Einschränkungen in der Verwendung. Aber das schreibt der Urheber meistens irgendwo dazu.    


Ihr findet Fotos in verschieden Größen und Qualitäten, einige sind gut, andere nur unbrauchbar, mal teurer, mal billiger. Aber prinzipiell ist für jeden Zweck was dabei, man muss nur danach suchen.

 

Jetzt kommen natürlich andere Leute und kommentieren unter veröffentlichten Bildern, dass das Ganze nichts mit Fotografie zu tun hat und dass wir die Fotos selber machen MÜSSEN.

 

Nein! Stimmt nicht.

 

Ich bin Bildbearbeiter. Ich werde dafür bezahlt (oder auch nicht) Fotos zu bearbeiten und wenn ich die Möglichkeit habe bereits fertige Inhalte zu benutzen, tu ich das auch sofern mir das bei meiner Arbeit hilft und der Kunde das wünscht.

Solche  ablehnenden Kommentare kann man getrost ignorieren. Dagegen vorgehen könnte zu einem Religionskrieg ausarten. Wie Pro-und-Contra-Vegan-Diskussionen, Mac oder PC und Apfel oder

Roboter. 

 

Ich habe da kein schlechtes Gewissen und wenn ich die Bilder nicht verwenden soll, warum stehen diese dann legal zur Verfügung?

Das wäre als würde ich mein Mittagessen selbst jagen oder meine Hosen selbst nähen. Das machen auch andere für mich. Okay, ich würde dann auch nackt verhungern.

 

 

 

Das Bild von der nächtlichen Skyline war eine Auftragsarbeit und wurde mit 2 Metern Länge ausgedruckt und auf Aluverbund kaschiert. Es besteht aus zwei Stockbildern. Ich wäre ja gerne für die Stadt nach Gotham City geflogen, okay Detroid, aber das hätte der Kunde niemals bezahlt. Der Himmel ist auch ein eigenes Bild, weil er im Original nicht gepasst hat. Beide sind von Fotolia und bezahlt. Der Kunde wusste das auch.

Das Bat Signal ist kein Bild, das habe ich per Hand rein gemalt.

 

Bei folgendem Bild, eine freie Arbeit, wurde gar nichts von mir fotografiert.

Ich habe etwa 45 Minuten nach den Einzelbildern gesucht. Das Haus habe ich dafür nicht verlassen und angerufen habe ich auch niemanden. Total easy.

Dafür muss ich, wie daneben zu sehen ist, die Links der Urheber dazu schreiben.

Ein kleiner Preis für Gratisfotomaterial. Das ist aber bei gekauften Stocks nicht notwendig, wird ja bezahlt.

 

 

Hätte ich alles selbst geshootet, dann müsste ich mich mit Model und Visagist terminlich absprechen (wenn ich beide gefunden habe), Studio reservieren (Ich habe kein eigenes), Ausrüstung zusammenpacken, hinfahren, Studio vorbereiten, Visa instruieren, Model einweisen, fotografieren, aufräumen, einen passenden Hintergrund finden, Blumen kaufen, zur Location fahren, alles aufbauen und so weiter. Bis jetzt sind so wahrscheinlich schon Tage vergangen, auf jeden Fall mindestens Stunden. Bearbeitet ist aber zu dem Zeitpunkt auch noch nix.

 

 

Das Bild links wäre auch nicht möglich gewesen ohne Stockmaterial.

Hier habe ich das Model selbst fotografiert. Wir haben uns einen Termin ausgemacht, ein paar Themen abgesprochen, das Studio reserviert und so weiter.  Den Hintergrund habe ich mal runter geladen und die Flügel sind auch nicht von mir gebaut. Sowas kann ich nicht.

 

Model: Zara

Hintergrund und Flügel: Peter Brownz

Es gibt hier kein richtig oder falsch, solange man sich an die Regeln hält.

Selber fotografieren macht natürlich mehr Spaß als Bilder online zu suchen. Manchmal geht es halt nicht anders. Es ist auch immer eine Frage des Aufwandes und wie viel es einem Wert ist und manchmal bestimmt letzten Endes der Kunde.

 

 

 

 

Das ist aber noch nicht alles. Gekaufte Stockfotos darf man immer wieder für alles mögliche benutzen.

Bei Fotografen muss man sich immer den Verwendungszweck, also das Ausgabemedium, die Druckmenge und die geografische Reichweite abmachen und die Lizenzgebühr dafür bezahlen. Das fällt bei den gängigen Stockagenturen flach. Genial oder?

 

Wie steht ihr zu Stockfotos und wo habt ihr diese bereits verwendet? Schreibt’s mir in die Kommentare.

 

Besucht mich auch auf meinen Social Media Seiten.

 

Bis bald

Oliver    

 

P.S.: Dieser Beitrag, wie auch alle anderen bisher, wurde nicht gesponsert. 

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