Der ewige Krieg... oder auch nur eine Kaufhilfe

 

Seit Jahrhunderten wollen Menschen schneller, stärker, besser sein als alle anderen. Anfangs wollten sie das größte Tier erlegen, später die größte Burg erobern. Irgendwann mal wollten sie als erstes um die Welt segeln und immer wieder mehr Macht haben.

Nicht selten war das der mit dem größten Hammer.    

 

 

Heute ist das nicht viel anders. Auch bei uns Fotografen. (ja, ich zähle mich auch zu diesen.)

Allerdings geht es in unserer Welt etwas friedlicher zu. Wir bekriegen uns nur verbal, mal auch in Textform, aber Böses will keiner und nur unwissende meinen es ernst.

Diese unwissende will ich heute aufklären.

 

 

Das große Wettkampfthema heißt Canon gegen Nikon. Auch wenn alles in diesem Text auf andere Hersteller auch zutrifft, predigt kein Besitzer einer Marke dem der anderen so viel wie diese beiden.

Meistens heißt es nicht mal „Meine kann das besser!“, sondern eher „deine kann das nicht!“. In fotografischen Foren und auf Social Media werden um diese Thematik oft tagelange Diskussionen ausgefochten, die alle nur ins Leere führen.

Die vernünftigen lesen mit und belächeln das ganze meistens oder schütteln nur den Kopf. Die wissen auch warum.

 

 

Und ich erzähl euch jetzt mal weshalb ich mich da auch nicht einmische.

Ich bin Nikon-Benutzer und das schon Jahre. Ich habe noch nie etwas anderes besessen. Mal abgesehen von meiner alten Polaroid, aber die zählt nicht. Ich habe mich damals nicht für diese Marke entschieden, weil sie besser ist als alle anderen. Obwohl sie das ist. Für mich in meinem bisherigen Anwendungsbereich. Und genau darum geht’s.

 

Ich habe mir vor langer Zeit ahnungslos paar Kameras angeschaut, in die Hand genommen, herumgedrückt, ausprobiert und mich für die entschieden, die mir optisch am besten gefiel und am angenehmsten zu halten war. Mehr Entscheidungskriterien brauchte oder kannte ich damals noch nicht. Erst mit wachsender Erfahrung merkte ich, was ich an einer Kamera benötigte und worauf es mir ankommt.

 

Megapixel, Sensorgröße, Akkulaufzeit, Menü, Marke, Profigerät oder Einsteigermodell, … das sind alles wichtige Punkte, keine Frage. Bevor du dich jedoch zur dunklen oder hellen Seite der Macht bekehrst – entscheide selbst welche was ist-, solltest du dir überlegen, was du eigentlich mit der Kamera vor hast. Denn für jeden Job gibt es das passende Werkzeug. Es macht wenig Sinn eine 50.000€ Hasselblad auf eine Kindergeburtstagsfeier ins Freibad mitzunehmen. Genau so wenig ist es klug eine 20€-Wegwerf-Kamera für das Ferrari-Shooting auszupacken. Außer natürlich der Kunde will das so.

Und wer filmen auch noch will, darf das bei der Entscheidung nicht vergessen.

 

Und damit es mal gesagt ist und du dich nicht wunderst, ich beziehe mich in diesem Beitrag mal eher auf DSLRs. Von Digicams spricht eh niemand und Bridge Kameras habe ich noch nie verstanden.

 

Als nächstes stellt sich vernünftiger Weise die Frage des Budgets. Ja, ich weiß Fotografen sind nicht vernünftig, wenn’s um Preis-Leistung ihres Equipments geht. Tun wir mal so als ob.

Muss ich meinen Erstgeborenen verpfänden, um mir die 1DX kaufen zu können oder reicht mir auch die D750? Meistens würde auch die kleinere günstigere reichen. Es kommt ja sowieso eher auf den Benutzer an. Da sich die beiden großen der Branche preislich nicht viel unterscheiden, findet hier keine Entscheidung statt.

 

Als nächstes solltest du beim Kauf deiner Erstausrüstung auf das Handling achten. Also wie liegt die Kamera in der Hand, kommst du einfach an alle Knöpfe, drehst du den Zoom lieber nach links oder rechts? Sowas eben. Eine D5 ist ja eine sehr schönes und tolles Teil, aber mit kurzen Fingern kommst du wahrscheinlich nicht an alle Tasten ohne umzugreifen. Das wird auf Dauer doch mühselig. Achte darauf, das der Fotoapparat nicht zu grüß oder auch zu klein ausfällt.

Die Einstellräder sollte man sich auch genau ansehen. Die sind bei Nikon und Canon ganz unterschiedlich. Nikon hat vorne beim Zeigefinger und teilweise auch beim Daumen weit oben an der Rückseite. Canon oben beim Zeigefinger und oft auch beim Daumen, allerdings weiter in der Mitte der Rückseite. Das mag nicht jeder.

 

 

Einige Fotografen überspringen beim Kauf den letzten Absatz und gehen gleich zur Technik.

Oft wird nur auf die Bildgröße, also Megapixel, geschaut. „Mehr ist besser, am besten 45 Millionen Pixel!“ - Naja, fast. Ich habe etwa 21MP. Ich bin ein klassischer Pixelschubser und komme mit den trotzdem gut zurecht. Manchmal hätte ich schon gerne mehr davon, aber deswegen will ich nicht über 3.000€ für ein solches Gerät ausgeben. Wenn ich eine neue Cam brauche, könnte es jedoch so eine werden. Das dauert aber noch etwas.

Und je mehr Pixel ich habe, desto mehr schmeiß ich am Ende auch weg. Das darf man nicht vergessen. Wie ich öfters sage: Ein Facebook Foto in höchster Qualität hat nur etwa 3,5MP. (Auf dieses Thema werd ich demnächst mal ausführlich eingehen und ein bisschen hab ich es im Beitrag PPI vs DPI bereits angeschnitten.)

 

 


 

Interessanter wird die Frage nach dem Sensor und seiner Größe. Konzert-, Hochzeits- und Sternenfotografen zum Beispiel profitieren oft von Vollformatsensoren, wie in der 5D oder der D800er Reihe. Low Light Geschichten eben. Wer Tiere im Zoo oder auf Safari fotografiert, fährt meistens mit APSC-Sensoren besser. Letztere reisen auch etwas leichter.

 

 

 

Bis zu diesem Punkt ist noch kein Hersteller besser als der andere und es macht noch keinen Sinn darüber zu streiten, also packt eure Heugabeln und Fackeln wieder weg.

 

Interessant wird’s vielleicht bei den Farben der Aufnahmen. Wenn ich mich richtig erinnere werden bei Canon die Hauttöne minimal rötlicher und bei Nikon etwas grünlicher. Ich kann mich auch täuschen, korrigier mich bitte wenn es so ist. Aber das ist auch maximal nur interessant und absolut nicht wichtig. Wenn dir die Färbung nicht gefällt, kannst du das in deinem RAW Converter jederzeit mit einem Preset, Vorgabe oder händisch an deinen Geschmack anpassen. Also auch wieder kein Streitpunkt.

 

 

Du fragst dich jetzt bestimmt, ab wann endlich herumgeschrien werden darf. Ich muss dich enttäuschen, heute gar nicht.

Die Kameras sind im Grunde gleich, die Objektive auch, Zubehör gibt’s für beide. Höchstens die Farbe der Objektive. Die Kameras sind normalerweise schwarz und sehen eigentlich gleich aus, aber bei den teuren L-Objektiven von Canon gibt es auch weiße Teile. Ich weiß nicht warum, vielleicht zum Angeben, vielleicht um sein Ding schneller zu finden (bei Workshops sicher hilfreich), vielleicht um Gleichgesinnte an belebten Plätzen zu finden, vielleicht um schneller geklaut zu werden. Keine Ahnung, aber ich glaube, es ist einfach nur Design.

 

 

Mit den bisher erwähnten Punkten kann keiner sinnvoll einen Streit anzetteln.

Zweck, Preis, Haptik, Technik sind alles plausible Gründe um seinen Hersteller auszuwählen.

Die eine Kamera ist besser beim Filmen, die andere kann im dunklen mehr sehen, die nächste hält länger durch und dann gibt’s noch eine die schneller ist.

Solange noch keiner einen Zauberkasten verkauft, der alles kann, kann auch niemand sagen, dass irgendeiner besser ist.

Ein Taxifahrer braucht ein geräumiges Auto, ein Formel1-Fahrer wird mit einer großen Heckklappe und einem Beifahrersitz kein Rennen gewinnen. Die Friseurin lass ich mit einer Kettensäge nicht an mein Haar und der Gärtner wird seine Nagelschere bestimmt verfluchen. Aber einen Eishockeyspieler mit Laufschuhen würde ich schon witzig finden.

 

Streite dich nicht nur weil jemand einen anderen Hersteller mag oder anderer Meinung ist. Überleg dir lieber, warum er den mag. Vielleicht bist du beim anderen auch besser aufgehoben. Und solange du die besten Fotos machst, ist deine Ausrüstung auch die beste für dich.

 

Einige deiner Vorbilder werden von Kameraherstellern gesponsert. Auf die solltest du nicht unbedingt hören. Aber die, die ihren Fotoapparat schon sehr lange benutzen, dürften auch davon überzeugt sein, das dieses Gerät zu ihrem Einsatzzweck passt.

 

Und damit bin ich auch schon wieder fertig für diese Woche.

Eines hab ich allerdings noch. Das gleiche Spiel gilt auch für deinen Computer. In diesem Fall heißen die Teams Mac oder Windows und hier wird noch lauter gestritten.

 

Sag mir doch noch warum deine Kamera die beste Wahl für dich ist. Was kann Canon besser als Nikon und andersrum? Mit welcher Cam werden meine Videos besser? Schreib‘s mir unten in die Kommentare.

 

 

Bis nächste Woche.

 

Tschüss Tschau.

Oliver

 

P.S.: Ich denke derzeit öfters nach zu wechseln. Schließlich hat sich mein Arbeitsbereich in den letzten Jahren geändert und möglicherweise ist ein anderer Hersteller genau das was mir hilft bessere Ergebnisse zu liefern.    

 

Bilder und Illustrationen von Pixabay.com

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