Histogramm? Wann war das denn?

 

Wer hier ist, um etwas über Geschichte zu erfahren, darf wieder gehen. Ihr könnt aber auch gerne bleiben und etwas Fotografisches dazu lernen.

 

Wenn du lieber zuhörst, dann ist dieses Video vielleicht etwas für dich.   

 

 

Ihr habt doch bestimmt mal auf eurem Kamerabildschirm oder in eurem Bildbearbeitungsprogramm rechts oben diese merkwürdige Welle gesehen?

Wer von euch weiß was das ist? Und wer von euch weiß was das Ding macht? – Das dachte ich mir. Bleibt dran, ich wird’s euch kurz mal erklären. (Okay, kurz wird es nicht, aber erklärt.)    

 

 

Das Teil nennt man Histogramm und damit seht ihr, wie euer Foto belichtet wurde. Zumindest, wenn ihr es lesen könnt.

 

Die meisten Kameradisplays sind jetzt nicht unbedingt gut eingestellt. Das merkt ihr, wenn das JPG auf der Cam und auf dem Computerbildschirm nicht gleich aussehen. Oft sind diese zu hell oder zu dunkel. Von den Farben reden wir heute mal gar nicht. Auf dem kleinen Monitor solltet Ihr sowieso nur die Komposition und Schärfe beurteilen.

Drückt Ihr in der Bilderansicht ein paar Mal runter (bei Nikon), dann kommt irgendwann so ein Histogrammwellenteil wie auf dem Bild oben. Hier wird jedoch das Vorschaubild kleiner angezeigt und das macht die Beurteilung etwas schwieriger, aber das ist ein Problem für einen anderen Tag.

 

Dieses Histogramm findet Ihr auch in Photoshop, Lightroom und wie die ganzen Bildbearbeitungsprogramme noch so heißen. Das zeigt euch auch immer das gleiche an.

Die Helligkeiten in eurem Foto. Oder besser gesagt, die Pixelmenge in den bestimmten Helligkeitsbereichen.

Für gewöhnlich werden von links nach rechts die dunklen bis hellen Bereiche dargestellt. Also ganz links findet ihr Schwarz, dann der Verlauf bis ganz rechts Weiß kommt. (Siehe nächstes Bild)

 

 

Nehmen wir das obere Histogramm als Beispiel. Ganz links, da wo Schwarz ist, ist die Welle sehr niedrig und am anderen Ende findet Ihr einen hohen dicken Balken nach oben und dann Leere.

Das bedeutet, das Bild ist eher hell aufgenommen worden. Es gibt beinahe keine Schwarzwerte und dunkle Bereiche sind auch sehr mager. Dafür Ist sehr viel hell im Bild und Weiß fehlt auch.

 

Stockfotos: Tänzerin m-moog.deviantart.com / Skyline Pixabay.com
Stockfotos: Tänzerin m-moog.deviantart.com / Skyline Pixabay.com

 

Im Bild der Breakdancerin habe ich das Histogramm gleich mal integriert. Hier ist gibt es wenig dunkle und helle Werte. Ein paar Schwarze und keine Weiße Bereiche. Dafür sind die Mittelwerte sehr ausgeprägt.

Seht euch das Bild an. Euch fällt bestimmt auf, dass die Schatten der Hochhäuser sehr dunkel sind, die Schatten der Hände teilweise sogar schwarz. Die Wolken sind nicht ganz Weiß. Recht viel mehr gibt es in den oberen und unteren Bereichen der Helligkeitsskala nicht. Es spielt sich alles in den Mitteltönen ab. Im Folgenden seht Ihr die Farbwerte einiger Bereiche im Bild.

 

Stockfotos: siehe oberes Bild
Stockfotos: siehe oberes Bild

 

Jetzt zeige ich euch noch ein dunkles Beispiel. Hier befinden sich sehr wenige helle Pixel. Der Rand ist durch die Vignette sehr dunkel und eigentlich ist alles dunkel. Das Bisschen hell in den beiden Steckern und in der Oberflächenstruktur fällt laut Histogramm anscheinend nicht ins Gewicht.

 

 

Am Raster erkennt Ihr in welchem Bereich welche Helligkeitswerte angeführt werden. Wie schon gesagt, ganz links befindet sich Schwarz und ganz rechts eben Weiß.

 

 

Nun, was sagt uns das jetzt über unser Foto? Nur ob es ausgebrannt oder abgesoffen ist. Eine gute Belichtung kann das Histogramm nicht garantieren. Das hängt vom Motiv ab.

 

Das Gegenstück zum vorigen Bild ist das des Pferdeschlittens. Dieses ist sehr hell und außerdem „Out of Cam“. Hier gibt es keine dunklen Bereiche und kein richtiges Weiß. Natürlich müsste ich hier noch nacharbeiten, dazu hatte ich bisher aber keine Lust.

  

 

 

Wenn Ihr fotografiert, kontrolliert das Histogramm öfter mal. Vergleicht es mit anderen Bildern, besonders mit ähnlichen. Die Histogramme werden oft beinahe gleich aussehen, wenn das Motiv zusammenpasst. Wie zum Beispiel Landschaftsfotos: Blauer Himmel, paar Wolken, grüne Wiese, grüner Wald, Berg im Hintergrund. Irgendwann, mit etwas Übung, seht Ihr an der Anzeige ob das Bild ordentlich belichtet wurde. Ist es das nicht oder Ihr seid euch nicht sicher, dann macht es gleich nochmal mit anderen Einstellungen.

 

Alternativ zum Histogramm könnt Ihr auch die Spitzlichtanzeige an der Kamera nehmen. Also Die blinkende Augenkrebs Anzeige, die Tiefen- und Lichter-Warnung. Hier blinken dann zu schwarze und weiße Bereiche im Bild. Diese nehme ich beim Fotografieren meisten und am Computer schaue ich mir dann das Histogramm an.

 

Weiße Bereiche leuchten rot
Weiße Bereiche leuchten rot

Stockfotos von

Fahrzeuge: http://fav.me/d355k0k & http://fav.me/d27locc  

Hintergrund: http://fav.me/d3304bb

Lensflares: Krolop & Gerst

Schwarze Bereiche leuchten blau
Schwarze Bereiche leuchten blau

Stockfotos siehe oberes Bilder


 

In den beiden Bildern seht Ihr diese Warnung. In Blau die zu dunklen Bereiche, also Schwarz (Breakdancer) und in Rot die zu hellen, Weiß (Verfolgungsjagd). In beiden Fällen ist keine Information mehr über Struktur vorhanden, nur noch die Farbe, mit dem RGB-Wert 0 oder 255. So eine Anzeige gibt es bei allen RAW Konvertern. Ich hab mir das mal in Photoshop als Aktion angelegt. Diese könnt Ihr euch im Downloadbereich gerne runterladen.

 

Ich muss aber auch dazu sagen, dass RAW-Bilder nicht ganz so empfindlich sind. Mit dem passenden Konverter könnt Ihr trotz schwarzer oder weißer Anzeige oft noch etwas Struktur rausholen. Aber irgendwann ist auch damit Schluss. Wie immer heißt es hier üben, üben, üben.

 

Lightroom
Lightroom
Darktable
Darktable
Capture One
Capture One

 

Wenn Ihr glaubt, dass das Foto richtig belichtet ist und trotzdem Spitzen zu hell oder dunkel sind, dann könnt Ihr noch eine Belichtungsreihe aufnehmen. Ein HDR also. Wie das geht, werde ich euch ein anderes Mal zeigen.

 

Bewertet eure Fotos nicht anhand des Histogramms, aber kontrolliert es um „leere“ Bereiche zu finden und gegebenenfalls neu aufzunehmen. Es ist ein sehr hilfreiches Tool und das man nicht unterschätzen sollte. Lieber einmal zu viel drauf geschaut, als später ein Bild löschen zu müssen.

 

Für das Problem der unterschiedlichen Anzeigen am Monitor und Kamerabildschirm: Kalibriert euren Monitor, fotografiert ein Bild als JPG, kopiert es auf den Rechner und haltet die beiden Anzeigen nebeneinander. Passt dann die Helligkeit des kleinen Displays an den Großen Schirm an. Viel näher werdet Ihr leider nicht kommen. Aber wie schon erwähnt, Farben bewertet man am Fotoapparat sowieso nicht.

 

 

Wie kontrolliert Ihr eure Belichtung? Hofft Ihr aufs Beste oder geht Ihr auf Nummer sicher?

Schreibt‘s mir in die Kommentare oder schickt mir eine Nachricht.

 

Schaut mal bei mir auf Facebook vorbei.

 

Bis nächste Woche

Oliver

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